Was macht gute Reise-Erzählungen, -Bücher aus?

Seit vielen Jahren lese und verwende ich die unterschiedlichste Reiseliteratur. Vom Magazin über den handlichen Führer bis hin zu Reiseerzählungen. Seit zwei Jahren setze ich mich nun noch intensiver mit den Unterschieden dieser Reiseliteratur auseinander.

Nehmen wir als erstes Beispiel einen Reiseführer: „Grado, der nahe Süden zu jeder Jahreszeit“ von Evelyn Rupperti. Einerseits gibt sie natürlich Informationen über Besichtigungs- und Unterkunftsmöglichkeiten, Restaurants und Ausflüge, andererseits bettet sie dazwischen eigene Erfahrungen und Geschichten ein, erzählt über die Menschen, greift Dinge aus dem Alltagsleben auf. So wird dieses Buch zu einem lebendigen Reiseführer, in dem man sozusagen mitlebt.

Einen anderen Weg wählt Günther Schatzdorfer in seinen Büchern über das Friaul und Venedig. Er schreibt literarisch geprägt persönliche Empfindungen, gespickt mit Alltagserfahrungen und Rezepten aus der örtlichen Küche. Und trotzdem erhält man einen Einblick in das Land und seine Kulturschätze, die er auch teilweise recht ausführlich beschreibt. Er will, so schreibt er selbst, die Menschen anregen, auf Entdeckungsreise zu gehen. Nicht „fertige Kost“ verschlingen, abhaken.

Zu Fuß von Bologna nach Assisi schildert den Fußmarsch von Andreas Haller am Apennin-Kamm entlang. Kaum kommt er an einem verfallenen Wirtshaus vorbei, schreibt er auch schon historische Geschichten über Räuberbanden in Mittelitalien. Die Übernachtung in einem Kloster veranlasst ihn zu einem Beitrag über diesen Orden. Er schildert, wie früher der Wald genutzt wurde, durch den er gerade wandert und welchem Schicksal er heute entgegen geht, der Wald. Und so wird eine eigentlich banale Wanderung durch Wälder und über Wiesen zu einem gut lesbaren Roman über Land, Leute, Geschichte und Sehenswürdigkeiten. Und für echte Wanderer hält er dann im zweiten Teil seines Buches detaillierte Informationen über Route, Länge, Wanderzeit, Verpflegs- und Übernachtungsmöglichkeiten bereit. Für mich ein gelungenes Reisebuch!

Drei Beispiel, wie aus scheinbar einfachem Stoff interessante Bücher entstehen können. Für mich entscheidend bei all diesen Büchern ist der Nutzen, den ein Leser daraus hat. Manch ein Buchtitel klingt toll . Aber schon nach ein paar Kapiteln des Lesens schüttle ich dann manchmal den Kopf über die „schmale Kost“, die ich darin vorfinde. Nur erzählen, man sei mit dem Fahrrad auf und ab gefahren, hätte sich über die fremden Bräuche gewundert (oder gar geärgert), schreibt von Konserven-Essen in kulinarischen Regionen oder unterlässt es, die angesprochenen Sehenswürdigkeiten wenigstens in ein paar Sätzen zu beschreiben (ganz zu schweigen von jenen Reisebüchern, die durch herrliche Landschaften führen, die so gut wie gar nicht im Buch dann beschrieben werden …) – das reicht heute nicht aus, um ein interessantes Reisebuch zu sein.

Es gibt Reisebücher, die durchaus gut lesbar sind. Frage ich mich aber nachher, welchen Inhalt es mir vermitteln wollte, so kann ich mir bei manchen Büchern keine Antwort darauf geben.

Noch ein paar Sätze zu Reisemagazinen. Sie sind in der heutigen Zeit deswegen von Bedeutung, weil sie zwar meist in komprimierter, aber dafür sehr aktueller Form über ein Land, eine Region oder eine Stadt informieren. Mag sein, dass viele der in solchen Magazinen enthaltenen Adressen in ein paar Jahren veraltert sind. Aber ich finde sie trotzdem nützlich.

Klar ist aber auch, dass ein gutes Reisebuch natürlich auch von den jeweiligen Wünschen und Anforderungen des Lesers abhängen wird. Aus diesem Grunde sollte man immer mehrere Kritiken lesen. Denn jeder, siehe meine Ansichten, sieht ein Buch aus anderen Blickwinkeln. Habe ich im letzten Jahr etwa 50 Reisebücher gelesen, so waren aber davon sicher um die 45 gute dabei. Es überwiegt also durchaus gute Reiseliteratur.

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