Lehmofenbauen im interkulturellen Garten in Neumarkt am Wallersee (Österreich)

Lehmofen im interkulturellen Garten von Neumarkt am Wallersee

die Workshop-Teilnehmer freuen sich über ihren fertiggestellten Lehmofen

Salzburg | Flachgau | Neumarkt am Wallersee | Wie Nanouk, der Eisbär, die Lehmziegel bewachte, der Rhythmus der Schamanentrommel stampfende Füße begleitete und ein Lehmofen entstand – Permakultur-Workshop im interkulturellen Garten in Neumarkt am Wallersee – wer nicht dabei war, ist selber schuld!

Einen guten Stiefel und einen guten Hut braucht’s für einen guten Lehmofen“ meinte Permakulturbauer Bernhard Gruber aus Neuhofen an der Krems (Oö) – und viele fleißige Hände! Diese stammten aus Neumarkt, Henndorf, Afghanistan und anders woher – die Eröffnung des interkulturellen Gartens in Neumarkt am Wallersee (Land Salzburg, Österreich) am Pfingstwochenende stand ganz im Zeichen eines Permakultur-Workshops.

Kräuterspirale und Lehmofen

Kräuter brauchen Regen und den gab es zunächst ausreichend, nachdem am Freitag, den 17. Mai 2013, die Kräuterspirale im interkulturellen Garten der einzigen in Neumarkt am Wallersee erhaltenen Villa aus der Gründerzeit (Mitte des 19. Jahrhunderts), der Gürtlervilla, fertiggestellt war. Der interkulturelle Garten ist ein Garten, den Menschen mit Migrationshintergrund, die in Neumarkt am Wallersee vorübergehend eine Heimat finden, seit 2007 alljährlich gemeinsam anlegen Ingrid Weydemann MAS von der Fronfeste Neumarkt am Wallersee, Pastoralassistentin Mag.a Alexandra Kunstmann-Hirnböck von der Pfarre Neumarkt am Wallersee und Mag.a Michaela Hauser vom Projekt „Lernende Region“ des Regionalverbands Salzburger Seenland sowie das Salzburger Bildungswerk Neumarkt am Wallersee waren die Organisatoren der Veranstaltung, bei der am Freitag neben dem Bau der Kräuterspirale auch ein Vortrag von Bernhard Gruber zum Thema „Wie füllen wir unsere Einkaufswägen in Zukunft?“ auf dem Programm standen.

Lehmofenbauen erfordert viele Hände und viel Schweiß

Am Samstag, dem 18. Mai 2013, trafen sich dann die Lehmofenbauer im interkulturellen Garten an der Moserkellergasse bei strahlendem Sonnenschein. Ab dem frühen Vormittag entstand dort ein richtiger Lehmofen, so ganz aus selbstgemachten Lehmziegeln, so ganz mit Händen geschaffen. Nach einigen Stunden des Aufbaus des Grundgerüsts konnte mit dem Aufsetzen und Verstreichen der Lehmziegel begonnen werden. Zuvor wurde der eigentliche Backofenraum mit Sand gefüllt, gestaltet und mit einer Schicht Zeitungspapier abgedeckt. Erst darauf wurden die Lehmziegel aufgetragen. Nachdem nach weiteren Stunden schweißtreibender Lehmbeschichtung der Ofen außen fertig war, öffnete Bernhard Gruber die Eingangsöffnung zum Backofenraum und entfernte den Sand. Dann wurde quasi als „Firstfeier“ Papier im Backofenraum angezündet und die Trocknungszeit begann. Der Ofen war fertig!

Durch’s Ofenbau‘n kommen die Leut‘ zusammen

Es war den ganzen Tag ein Kommen und Gehen. Während der harte Kern der Arbeitenden Stroh fein hackte, es mit Wasser und Lehm vermengte und anschließend zum Rhythmus einer Schamanentrommel stampfte, kamen andere Menschen mit Migrationshintergrund zu Besuch in den Garten. Die Besucher verfolgten interessiert die Hände der Ofenbauer, währenddessen sich andere Workshop-Teilnehmer auf einer Plastikfolie niedergelassen hatten und aus dem fertigen Lehm Ziegeln formten. Nanouk, das Hündchen, hielt bei den Ziegeln Wache, wenn Bernhard Gruber wieder einmal zu einer kurzen Arbeitsbesprechung rief. Nanuk, gar kein Eisbär, was sein Name bei den Iniut bedeutet, sondern ein stets freundlich schwanzwedelndes Hündchen war der Liebling aller und fotogen obendrein!

Wenn der Ofen dann fertig getrocknet sein wird, heizt man ihn zwei bis drei Stunden lang ein. Hat er seine Betriebstemperatur erreicht, räumt man die Glut aus oder schiebt sie beiseite. Dann geht es ans Backen: Brot, ein „Bratl in der Rein“ oder auch Pizza lassen sich darin herstellen. In zwei bis drei Minuten, je nach Bauart des Lehmofens, braucht eine Pizza bis sie fertig ist, meinte Bernhard Gruber. Und warm bleibt so ein Lehmofen je nach Wandstärke auch schon mal bis zu zwölf Stunden.

“Durch’s Garteln kommen’s alle z’samm“

Ingrid Weydemann nutzte eine Pause, um die Bedeutung des interkulturellen Gartens ein wenig zu erläutern. Er entstand aus der Idee, einerseits den Menschen mit Migrationshintergrund ein wenig Abwechslung in ihren grauen Alltag durch das Garteln zu bringen. Andererseits und vor allem aber sollte er Treffpunkt sein und zum Gemeinschaftserlebnis werden. Je nach Herkunftsland unterschiedlich bringen sich die Menschen mit Migrationshintergrund in die Pflege des Gartens ein. Tschetschenen und Bangladeschi sind da immer hundert Prozent bei der Sache als wären sie als Gärtner zur Welt gekommen, erzählte Weydemann. Manche bleiben einige Jahre in Neumarkt, andere nur wenige Monate. Daher werden bei einem Aussaat-Fest jedes Jahr die Beete neu verteilt. Entweder ein Beet wird von einer Familie alleine betreut oder es werden Gemeinschaftsbeete angelegt, in denen jeder Hand anlegen kann. Verlässt einer der Gärtner dann Neumarkt am Wallersee während der Reifezeit seiner Produkte, wird sein Beet von einem anderen weiter betreut. Das Saatgut erhalten die Gärtner zum Großteil als Spende von der Neumarkter Gärtnerei Trapp. Ja und die Ernte? Da gehen die Leute einfach zu ihren Beeten und jeder nimmt sich, was er braucht. Hat einer zu viel von etwas, teilt er es mit den anderen. Einmal hatte ein Vietnamese eine Spinatart aus seiner Heimat gepflanzt, erzählte Ingrid Weydemann. Die Ernte war überreich, so verteilte der Vietnamese seinen Spinat an die anderen – man traf sich im interkulturellen Garten zum Plaudern und Spinatschneiden.

Wer vielleicht vorgehabt hatte, dieses Permakultur-Workshop mit Kräuterschnecken- und Lehmofenbauen zu besuchen, es aber dann doch nicht tat, dem ist wirklich einiges entgangen: Ideen zum Nachdenken und Nachmachen, ein herrlicher interkultureller Gemüsegarten und vor allem ein unterhaltsames gemeinschaftliches Bauerlebnis! „Es war ein wunderschönes Erlebnis, diesen Lehmofen zu bauen und jetzt, wo er fertig ist, fühle ich mich so richtig wohl und zufrieden. Es ist halt wirklich alles Hand-Arbeit“ seufzte am späten Samstagnachmittag eine Teilnehmerin glücklich vor sich in den interkulturellen Garten hin. Der interkulturelle Garten an der Moserkellergasse in Neumarkt am Wallersee ist um eine Attraktion, die Workshop-Teilnehmer um viele Erfahrungen reicher.

www.stadtpfarre-neumarkt.at/…interkultureller_garten/

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