Nachfahren vertriebener protestantischer Salzburger Emigranten besuchten Hallein

Verleihung des "Großen Verdienstzeichens des Landes Salzburgs" an Jürgen Schroeter, Präsident des Salzburger Vereins e. V. Bielefeld

Salzburger Landtagsabgeordnete und zweite Landtagspräsidentin Gudrun Mosler-Törnström (li) bei der Verleihung des „Großen Verdienstzeichens des Landes Salzburgs“ an Jürgen Schroeter, Präsident des Salzburger Vereins e. V. Bielefeld (im Bild mit Gattin)

Verleihung des „Großen Verdienstzeichens des Landes Salzburgs“ an Präsident Jürgen Schroeter

„Wir haben heute wieder ein gutes Verhältnis zur Katholischen Kirche“ betonte Jürgen Schroeter, Präsident des protestantischen Salzburger Vereins e.V. anlässlich seines Besuches dieser Tage in Hallein. Dieser Verein wurde am 22. Februar 1911 beim Salzburgerfest in Gumbinnen (Provinz Preußen, heute Russland) gegründet. Heute hat die Vereinigung der Nachkommen Salzburger Emigranten seinen Sitz in Bielefeld, Deutschland und ihre Mitglieder unternehmen alle zwei Jahre einen Ausflug zu ihren Wurzeln ins Salzburger Land.

Neben diesem Salzburger Verein e. V. gibt es noch das „Wohnstift Salzburg e. V.“, das ein Seniorenheim in der Tradition des ehemaligen Salzburger Hospitals Gumbinnen in Bielefeld weiterführt und die „Stiftung Salzburger Anstalt Gumbinnen“ in ehemals Gumbinnen, heute Gussew, in der russischen Oblast Kaliningrad, die neben der Salzburger Kirche das Diakoniezentrum „Haus Salzburg“ betreibt.

Dieses Buch berichtet über die Geschichte der Salzburger Emigranten

Ein Blick in die Geschichte
Vom 7. bis 10. Juni 2012 besuchten 73 Nachfahren Salzburger Exulanten die Stadt Hallein und ihre Umgebung. Ihre Vorfahren mussten aufgrund des Emigrationspatents 1731 des Salzburger Erzbischofs Leopold Anton Freiherr von Firmian ihre Heimat verlassen.

Am Vormittag des 30. November 1732 mussten 788 Dürrnberger und Berchtesgadener Protestanten jeden Alters und Geschlechtes von ihrer Heimat Abschied nehmen und bestiegen in Hallein die dort schon bereitstehenden Schiffe zur Fahrt ins Exil nach Deutschland und die Niederlande. Vom 28. Mai 1732 bis zum 30. Juli 1733 treffen insgesamt 33 Schiffe mit 10 625 vertriebenen protestantischen Salzburgern im Kreis Gumbinnen ein; auf dem Landweg hatten von 5 533 Personen 5 243 Salzburger ihr Ziel erreicht, unterwegs waren 290 Personen gestorben.

Weitere Vertreibungen von Salzburger Protestanten fanden in den Jahren 1684 bis 1686 in Osttirol (insgesamt 691 Protestanten wurden wegen ihres Bekenntnisses aus dem Defereggental vertrieben) und 1837 im Zillertal (zur Erzdiözese Salzburg gehörig) statt. Die Protestanten in der Stadt Salzburg wurden (mit wenigen privilegierten Ausnahmen) bereits bis 1588 vertrieben.

Der Besuch der Gegenwart

Die Teilnehmer, die am Donnerstag, den 7. Juni 2012, mit ihren eigenen Pkw nach Hallein zum Gasthof Brückenwirt angereist waren, verbrachten zwei Tage im Raum Hallein. Am Freitag, den 8. Juni, führte sie ihr Ausflug nach einem Besuch im Halleiner Keltenmuseum über die Roßfeld Panoramastraße nach Berchtesgaden, wo sie einen evangelischen Gottesdienst feierten. Auch aus dem Gebiet um Berchtesgaden mussten rund eintausend Protestanten, überwiegend Bergknappen, im 18. Jahrhundert ihre Heimat verlassen.

Der Halleiner Bürgermeister Dr. Christian Stöckl spielte und sang persönlich zur Unterhaltung der Gäste im Gasthof Brückenwirt.

Mit dem Administrator der Salzburger Erzabtei Sankt Peter, Pater Benedikt Röck, wurde dann am Nachmittag eine katholische Messe zelebriert. Pater Benedikt lernten die Nachfahren der vertriebenen Protestanten vor zwei Jahren bei ihrem letzten Salzburger Besuch in Abtenau kennen, wo er Pfarrer war. Bei einem Heimatabend am Freitagabend im Gasthof Brückenwirt im Stadtteil Taxach begrüßten der Bürgermeister der Stadt Hallein, Dr. Christian Stöckl und der Vorsitzende des Tourismusverbands Hallein – Bad Dürrnberg, Ernst Kronreif, die Gäste, die aus ganz Deutschland angereist waren. Dr. Stöckl begeisterte als Musiker und Sänger im Rahmen des Heimatabends und Ernst Kronreif übergab jedem Teilnehmer persönlich ein Buch von Hallein als Erinnerung an ihren Aufenthalt und ehemalige Heimat. Musikalisch und mit Tänzen umrahmte der Trachtenverein d’Schmittenstoana aus Bad Vigaun den Heimatabend, wobei unter anderem Alois Schnöll mit seinen Töchtern Anna und Katharina das Salzburger Volkslied „Oh wie schön ist’s auf den Höhn“ („…Geliebtes, schönes Salzburg, mein Heimatland, lebe wohl!“) sang.

Verleihung des „Großen Verdienstzeichens des Landes Salzburgs“ an Präsident Jürgen Schroeter
Im Rahmen des Abschiedsabends am Samstag, den 9. Juni, wurde Präsident Jürgen Schroeter von LAbg und zweiten Landtagspräsidentin Gudrun Mosler-Törnström mit dem großen Verdienstzeichen des Landes Salzburgs für seinen Beitrag zur Beziehung zu Salzburg geehrt. Gudrun Mosler-Törnström hob die gute und herzliche Beziehung zwischen dem Verein und Salzburg hervor, insbesondere den Einsatz von Jürgen Schroeter für die Beziehungen zwischen den Nachfahren in Deutschland und in Salzburg.

LAbg und zweiten Landtagspräsidentin Gudrun Mosler-Törnström mit Präsident Jürgen Schroeter

Der Salzburger Verein e. V. bringt in seiner Vereinszeitschrift immer wieder interessante Ergebnisse von Forschungsarbeiten. In der aktuellen Ausgabe berichtet beispielsweise Dr. Gustav Rohrer über ein Schriftstück aus dem Jahr 1899, in dem über eine Anfrage über den Namen „Rohrer“ berichtet wird: „… Durch wiederholte persönliche Nachforschungen in Goldegg im Pongau habe ich ermittelt, daß zur Zeit der Auswanderung auf dem Großrohrer, dem Gute Knollen und auf dem Lehengut, sämmtlich zur Gemeinde Goldegg gehörig, Rohrer als Besitzer gewohnt haben. In den Anlagen erlaube ich mir in 2 Bogen meine Stammbäume beizufügen mit dem bemerken, daß Johan Rohrer, geb. 7.3.1712 in Großrohrer bei Goldegg, vermuthlich mit dem an der Spitze des 2. Bogens…“.

Vielen der Teilnehmer haben noch heute Verbindungen zu ihren zurückgebliebenen Verwandten oder kennen zumindest die Geschichte ihrer Vorfahren. So erzählte Dr. Eckhard Schlemminger von der Landesgruppe Hamburg – Schleswig Holstein – Nordniedersachsen, seine Urahnen stammen aus Schladming (Schlemming…) und waren 1732 nach Sankt Johann im Pongau gewandert, wo sie den Mittermasch’l-Hof bewohnten.

In der Vereinszeitschrift „Der Salzburger“, im 770seitigen Buch „Die Salzburger Emigration – eine Chronik der Marschzüge“ sowie auf der Homepage des Vereins lassen sich Geschichte und Gegenwart nachlesen.

Lesen Sie auch meinen Literaturtipp: Rebeller, Opfer, Siedler – Die Vertreibung der Salzburger Protestanten

Literatur, erhältlich beim Salzburger Verein e. V. (Auszug)
Paul Brock: „Die Salzburger in Ostpreußen“, von ihrer Austreibung und Aufnahme in Preußen, Nachdruck 2006, 50 Seiten
Dorothea Benkmann: „Salzburger Erbgüter 1732“, 53 Seiten
Gerhard Florey: „Geschichte der Salzburger Protestanten und ihrer Emigration 1731/32“, Neuauflage 2005, 276 Seiten
Hermann Gollub: „Stammbuch der ostpreußischen Salzburger“, Namensverzeichnis, Kopie der Erstausgabe von 1934, 210 Seiten
Norbert Stein: „Chronik der Marschzüge – Salzburger Emigranten“, erschienen 2011, ca. 700 Seiten

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