Man sieht sie nicht und doch ist sie da: Die Festung Palmanova im Friaul

Palmanova von Südosten © 2021 Gerald Lehner bei seinem Flug über die Alpen nach Venedig

20. Oktober 2021 | „Palmanova an 11:30 Uhr, Rundfahrt, weiter nach Cervignano zum Mittagessen im Ristorante Chichibio“ steht in meiner Reiseleiteraufzeichnung vom 24. September 1988 und am 6. Oktober 1995 notierte ich „12:50 Uhr bis 16:20 Uhr Palmanova Mittagspause im „Da Gennaro““. Palmanova war stets ein willkommener Stopp bei meinen Italien-Reisen.

Dogen, Napoléon und Habsburger

Nach dem Verlust der Festungsstadt Gradisco d’Isonzo 1511 blieb die östliche Grenze der Republik Venedig, der „Serenissima“, ungeschützt gegen feindliche Einfälle. Man rechnete mit dem Eindringen der Osmanen und überlegte sich den Bau eines Bollwerkes. Am 7. Oktober 1593, am Jahrestag der Seeschlacht von Lepanto, bei der das Osmanische Heer geschlagen wurde, legte man das Zentrum des „neuen Palmada“ – Palmanova – fest. Palmanda war ein kleines Dorf, das heute nur mehr als Flurname im Südwesten von Palmanova bekannt ist.

Die venezianischen Baumeister errichteten ein Meisterwerk der Militärarchitektur. Eine Festungsstadt in Form eines neuspitzigen Sterns mit einem Durchmesser von rund 1,8 Kilometern, deren Straßen regelmäßig angelegt alle zum Mittelpunkt der Stadt führen. Kein Bauwerk höher als zwei Stockwerke, der Bevölkerung wurden Privilegien gewährt, wenn sie in die Festungsstadt zogen.

Ein Bild aus den 1990er-Jahren: Die „Piazza Grande“ war noch geschottert (heute mit Steinplatten gepflastert) und der Dom noch nicht renoviert.

Doch nicht die Osmanen eroberten die Festung, sondern die Österreicher kamen am 3. März 1797 in die Stadt. Dies, obwohl sich die Stadt 1796 zur Neutralität bekannt hatte. Kaum hatten sich die Österreicher einquartiert, rückte auch schon Napoléon I. mit seinen Truppen an und übernahm die Festung.  Am 16. März zogen die Österreicher wieder ab, am 18. März kam Napoléon und erklärte von hier aus der Republik Venedig am 3. Mai den Krieg.

Noch einmal wendete sich das Blatt und mit dem Frieden von Campoformido (bei Udine) konnten die Österreicher am 9. Jänner 1798 abermals in Palmanova einmarschieren und blieben bis 1805. Um es kurz machen: Die Österreicher kamen noch einmal 1814 und blieben bis 1866, dem Jahr der Gründung des Königreichs Italien. Seither gehört Palmanova zu Italien.

Am 21. Juli 1960 wurde Palmanova zum Nationaldenkmal erklärt.

Palmanova von Süden (Links = Westen Richtung Venedig, rechts = Osten Richtung Triest, nach oben = Norden nach Udine) © 2021 Gerald Lehner

Man sieht sie nicht und doch ist sie da

Der Reisende auf der Autostrada von Udine, Venedig oder Triest kommend, muss schon sehr genau schauen, um die Festungsmauern zu erkennen, die heute noch völlig intakt erhalten sind. Wie ein Raubtier geduckt sich Palmanova in der Landschaft versteckt, das heute rund 5 500 Einwohner zählt.

Von den ursprünglich zwölf errichteten Gebäuden für die 3 500 Mann Besatzung und ihre Familien bestehen heute nur mehr sieben.  Dafür kann man noch alle drei Stadttore bewundern. Bei Fahrten mit Reisebussen konnten wir immer nur das südliche Stadttor verwenden. Die beiden anderen sind für große Fahrzeuge zu schmal.

Die „Piazza Grande“ 2007

In der Mitte befindet sich ein kreisrunder Platz, ehemals der Exerzierplatz, auf dem im Jahreslauf verschiedene Feste stattfinden. Im Norden dieser „Piazza Grande“ erhebt sich der Dom der Heiligen Cosma und Damiano, dessen Grundsteinlegung am 7. August 1605 stattfand.

Die begehbaren Stadtmauern und teilweise auch die Bollwerke laden zu einem Spaziergang ein.  Es gibt zwei Museen: Das historische Museum (Museo Civico, Borgo Udine 4) und das militärische Museum (Museo Storico Militare, im Borgo Cividaleam Osttor). Für Hungrige gibt es einige Restaurants und Pizzerien;, wer noch ein paar Kilometer weiterfahren möchte, ist im „Ristorante Chichibio“ an der großen Straßenkreuzung Venedig – Triest / Udine – Grado in Cervignano bestens aufgehoben (hier der Link zur homepage des Restaurants).

Links zu Bildern, Karten und Internet-Seiten

Alle fünf Luftaufnahmen von Gerald Lehener in der Bildergalerie seines Venedig-Fluges – Link ab hier.

Palmanova im Internet englischsprachig mit Bildern

Palmanova auf der Landkarte von openstreetmap.org

Plan von Palmanova aus den 1960er-Jahren

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.